Freitag, 8. September 2017

Unplanned - Teil 1

Hier ist sie also. Die versprochene, neue Rubrik. Überraschung an alle die es bisher noch nicht wussten oder gesehen haben: Ich werde Mutti. Sogar schon in wenigen Monaten. Die Zeit rast aber ich habe natürlich so gut es ging in den letzten Monaten alles notiert. Viel Spaß beim Lesen. :)

Als Kind und Teenager hat man eine genau Vorstellung, wie das eigene Leben sein soll. Wo man sich selbst gern in ein paar Jahren sehen würde und wo man zu einem bestimmten Alter angekommen sein möchte. Diesen Plan hatte ich auch. Zu meiner Jugendweihe stand fest, dass ich mal im öffentlichen Dienst arbeiten möchte. Am besten in der Justiz. Ich wollte unbedingt einen Hund und spätestens mit 25 Mutter werden. Dazu am besten Haus und Mann, wie sollte ich das sonst alleine bewerkstelligen?


11 Jahre später sitze ich vor meinem Laptop und schreibe diesen Beitrag. Neben mir mein Hund, der skeptisch auf das klickern der Tasten hört und das Ultraschallfoto meines Babys bewacht. Im Grunde habe ich genau das bekommen, was ich wollte. Allerdings unter anderen Umständen. Ich arbeite tatsächlich seit knapp 1,5 Jahren in der Justiz, habe einen Hund und werde mit 25 Mutter.

31. Mai 2017


Genau zwei Wochen ist es her, dass ich erfahren habe, dass ich Mutter werde. Vor zwei Wochen hat sich das Leben von mir komplett auf den Kopf gestellt. Nur durch Zufall habe ich erfahren, was der Grund für meine Beschwerden in den letzten Wochen war. Am 17. Mai, genau zum 35. Geburtstag meiner Schwester, hatte ich mal wieder einen Rollerunfall. So schwer, dass ich im Krankenhaus landete und einen kostenlosen Rundum-Check bekam. Als der Arzt am nächsten Tag fragte, ob es sein könnte, dass ich schwanger bin, bin ich fast ihn Ohnmacht gefallen. Im Nachhinein hat das kleine Wesen in mir genug Zeichen geschickt, das ich hätte von selbst drauf kommen müssen. Aber vielleicht war es auch die Angst vor der Wahrheit. Schließlich war das so nicht geplant...  

Nachdem ich den positiven Schnelltest in der Hand hielt und die Oberschwester drauf schaute, strahlte sie mir voller Freude in mein geschocktes, erstarrtes Gesicht. Nach einem "Herzlichen Glückwunsch, ich freu mich für Sie! Ich informiere gleich den Oberarzt über diese tolle Nachricht!" verließ sie mein Zimmer und ich setzte mich zurück auf mein Bett. Ich stand wieder auf, ging zum Fenster und setzte mich wieder auf mein Bett. Das geht nicht...das kann nicht sein...nein.

Als es an der Tür klopfte und ich zum Ultraschall gebracht wurde, konnte ich mit dem redseligen Pfleger, der mich im Rollstuhl durch die Gänge der Klinik schob, nichts anfangen. Beim Ultraschall sollte geschaut werden, ob ich noch Flüssigkeit im Bauchraum hatte. Die Ärztin, die mich untersuchte, las bereits in meiner Akte in ihrem Computer vom positiven Test und schob aus "Spaß" den Schallkopf eine Etage tiefer. Ich blickte mit verängstigtem Blick auf den Bildschirm neben mir. Und da war es. Da wackelte etwas. Etwas graues, miniklein. Ein kurzer Blick zu meiner Ärztin. Wieder zum Bildschirm zurück.  Als ich erneut die Ärztin ansah, sah ich, wie ihr die Tränen im Gesicht standen. "Ich muss ganz kurz raus, tut mir Leid, damit habe ich nicht gerechnet!" waren ihre Worte. Als sie zurück kam und erneut den Schallkopf auf meinen Bauch legte, stellte sie den Lautsprecher an. Ein Ton, den ich schon öfter gehört habe, aber viel viel schneller, erklang. "Was sie da hören, ist der Herzschlag Ihres Babys".

Diesen Moment werde ich wohl nie vergessen. Ich habe geweint ohne Ende. Vor Schock, vor Glück und auch ein wenig vor Verzweiflung. Sie druckte mir das erste Bild aus und ihr letzter Satz war "Machen Sie keinen Blödsinn, Sie haben ein Wunder in sich!" und wischte sich erneut eine Träne weg.

Und da saß ich nun. Mit dem ersten Foto von meinem Baby in den Händen. Allein im Wartezimmer der Gynäkologie. Neben mir hochschwangere Frauen und Familien mit Neugeborenen. Die Ärztin in der Gynäkologie bestätigte mir die Schwangerschaft. 8+0. Ich war also bereits zwei Monate schwanger. So groß wie eine Erbse. Nach den Untersuchungen kamen die Schwestern und der Arzt nochmal und gratulierten mir. Allerdings konnte ich damit nichts anfangen.

Als ich am Nachmittag von meiner Schwester aus dem Krankenhaus abgeholt wurde, war ich mehr als durcheinander. Ich wollte es ihr erzählen, aber wusste nicht wie.  Daheim angekommen, rauchte ich meine letzte Zigarette. Die Schock-Zigarette. Die Tschüss-Zigarette. Ich stand derart neben mir. Ich hatte einen befristeten Arbeitsvertrag, ich wollte meinen 25. Geburtstag riesig groß feiern und im August waren 4 Wochen Surfen in Portugal gebucht. Zwei Wochen davon allein durch Portugal mit dem Rucksack von Stadt zu Stadt. Alles stand nun so unendlich in den Sternen. Nach und nach erfuhren es meine Freunde und meine Familie. Die Reaktionen hätte unterschiedlicher nicht sein können. Von voller Freude seitens meiner Freunde bis hin zur absoluten Schockstarre meiner Familie. Ich wusste, wie meine Mutter und mein Vater reagieren würde. Und genau so reagierten sie auch. 1:1. Ich fühlte mich in den ersten zwei Wochen nicht sonderlich gut. Es ist seltsam, sich auf etwas zu freuen, wenn man weiß, man ist die Einzige, die sich (aktuell) freut. Es tat schrecklich weh, ich war verzweifelt und fühlte mich allein. Aber es stand von Anfang an nie zur Frage, ob ich das Kind behalte oder nicht. Wie besingt es Bosse so schön in seinem Lied "So oder So":

"Das Leben ist bitter und süß wie Feigen
Du musst runterkommen und dich entscheiden
Zwischen hinterherrennen und gelassen
Ich mein' unverkrampft die Dinge kommen lassen"

Jaja, den Text habe ich bereits bei einem anderen Beitrag genutzt, aber er passt einfach wieder wie die Faust aufs Auge.

Der erste Ultraschall bei meinem Arzt. Ich war so unendlich nervös. Geht es der Erbse gut? Ist alles okay? Ist alles so, wie es sein soll? Der Arzt merkte mir an, wie überfordert ich noch war und nahm sich viel Zeit, um mir alles ausführlich zu erklären. Er zeigte mir, wo was zu erkennen ist und lies mich auch den Herzschlag hören. Der Hormoncocktail sorgte dann für einen Wasserfall, der aus mir heraus brach. Als der Arzt versuchte, die Erbse ein wenig zum bewegen zu animieren, fiel auf, dass sie vermutlich schläft. Der erste Ultraschall von uns und die Erbse schläft. Ganz die Mama... Aber so war es immerhin möglich, ein 3D Bild zu bekommen. Unglaublich. Einfach unglaublich.

12. Juni 2017

 

Seit einigen Wochen bzw. bereits Monaten ist klar, dass ich schwanger bin. Seit dem muss ich mir neben vielen Glückwünschen und "Ich freu mich so für dich, du packst das" Nachrichten auch genau das Gegenteil anhören. "Hast du dir das richtig überlegt?", "Na hoffentlich wenigstens nicht ungeplant!", "Bist du nicht noch zu jung?", "Warum bekommst du das Kind, wenn ihr gar nicht mehr zusammen seid?" "Na normal ist das ja nicht, was du machst!", "Findest du das nicht ganz schön egoistisch von dir?". Dies sind ein paar Wenige davon und um ehrlich zu sein auch die harmlosesten. Und jetzt mal hier eine Zusammenfassung zu diesen Sprüchen und Anmerkungen, weil ich es irgendwie Leid bin, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich das Wesen, was in mir ist, liebe und es beschütze.

Ob ich mir das überlegt habe? Mittlerweile ja. Und ich freue mich auf die Erbse. Jeden Tag mehr. Es war ungeplant. Aber ungeplant heißt ja noch lange nicht ungeliebt. Nein, ich bin nicht zu jung. 16 oder 17 ist zu jung. Aber 25 ist doch ein super Alter. Wo ist das Problem? Ich bekomme das Kind, weil die Erbse nichts dafür kann, unter welchen Umständen sie entstand. Ich weiß, dass ich zu der Zeit sehr sehr glücklich war. Und das ist doch die Hauptsache. Das Leben wollte es so. Ob das normal ist, was ich mache? Hey Leute, mal ehrlich. Was ist heute schon noch normal? Ich kenne so viele glückliche Patchwork Familien. Ich bin selbst in einer groß geworden. Und es ist wundervoll. Das Familienideal vom Verlieben, Heiraten, Haus bauen, Kind bekommen ist veraltet und alles andere als aus dem aktuellen Jahrhundert.

Und hier, mein persönlicher Favorit aller Sprüche:

"Findest du das nicht ganz schön egoistisch von dir?" Lasst mich kurz tief durch atmen. Bei diesem Satz könnte ich jedes Mal wieder an die Decke gehen. Egoistisch. Ich. Wer mich kennt, weiß, dass ich alles andere als egoistisch bin. Das Wohl anderer steht bei mir immer an erster Stelle, solang ich mich selbst dabei gut fühle. Für mich wird sich die Welt um 180 Grad drehen. Statt Partyurlaub heißt es nun Familienurlaub, Kinderwagenfreundliche Wege nutzen, Durchschlafen wird ein Fremdwort für mich sein und mein Leben wird sich ausschließlich um die Erbse drehen. Ihr Wohl steht an erster Stelle. Ihr nennt das egoistisch? Ich nenne das verantwortungsvoll. Statt meinen Geburtstag im großen Stil zu feiern, habe ich beschlossen, das Geld lieber für die Ausstattung zu sparen. Ich werde mich in Portugal einschränken müssen und das werde ich liebend gern tun. Einfach, weil ich weiß, dass ich Ende Dezember ein kleines Wunder in meinem Arm halten werde. Und all die Schwangerschaftsleiden...die Übelkeit, die Vergesslichkeit, die Rückenschmerzen...sind doch alles nichts im Hinblick darauf, dass in mir ein kleiner Mensch heran wächst.



Was mich bei all den Sprüchen am meisten ärgert, dass es von Menschen kommt, die weder Partner noch Kinder haben. Kommt erst mal in meine Situation, dann können wir gern weiter reden. :)

19. Juni 2017

 

Der zweite Ultraschalltermin und der Termin, an dem ich meinen Mutterpass erhalte. Nun bin ich offiziell werdende Mutter. Nervös wie bereits beim ersten Mal wartete ich gespannt bis ich aufgerufen wurde. Wahnsinn, wie die Erbse gewachsen war. Innerhalb von drei Wochen von 2,7 cm auf unglaubliche 6 cm herangewachsen. Und das Wichtigste: Sie ist top fit. Mein Körper hält auch tapfer durch und die anfänglichen, nervigen Schwangerschaftsbeschwerden sind überstanden.

1. Juli 2017

 

Mein 25. Geburtstag. Die ersten Baby-Geschenke und von Oma und Opa das erste Schnuffeltuch. Trotz alkoholfreier Bowle und Regen ohne Ende, war es ein wunderschöner Geburtstag mit wunderbaren Menschen, die ich liebe.

10. Juli 2017

 

Unplanmäßiger Besuch beim Arzt. Meine Nerven liegen blank und der ganze Stress um die Schwangerschaft, der Stress mit einigen Mitmenschen und die Angst um die Zukunft haben mich wortwörtlich zu Boden gezerrt. Da sage noch einmal jemand, schwanger sein sei einfach. Aber kein Problem, ich bin eine Kämpferin und die Erbse erst recht. Dank meines kompetenten und wundervollen Arztes, der meine Neugier über die Frage "Mädchen oder Junge?" regelrecht in meinen Augen lesen konnte, weiß ich nun auch zu 95% dass da ein kleiner wundervoller Mann in mir heran wächst. Wie wundervoll. So oft habe ich schon von einem Junge geträumt und nun ist es wirklich so. Zumindest fast! Vielleicht hat da auch jemand seine kleinen Fingerchen zwischen die Beine gelegt um Mama zu verwirren. Egal, wichtig ist: 9,45 cm und top fit!

25. Juli 2017

 

Langsam aber sicher gehen mir die "kaschierenden Outfits" aus. Das Versteckspiel hat hoffentlich bald ein Ende und die ersten Schwangerschaftsschmerzen machen sich bemerkbar. Mein bisheriges Resümee der Schwangerschaft: es ist anstrengend. Aber gut, der Körper leistet auch eine unheimliche Arbeit. Immerhin wird Ende des Jahres ein kompletter kleiner Mensch entstanden sein, der das Leben seiner Familie ordentlich auf den Kopf stellen wird. Und das ist Motivation genug, sich mal einen Tag mit Schmerzen zu quälen und die Vorzüge eines Stillkissens zu genießen. Zudem ist heute ein ganz besonderer Tag...der kleine Mann hat sich bemerkbar gemacht. Zum ersten Mal konnte ich eine Art kleinen zarten Stoß am Bauch fühlen. Das war wohl die Belohnung für einen Tag voller Weinerlichkeit, Schmerzen und Jammer.

9. August 2017 

 

Mit dem Rucksack zwei Wochen lang durch Portugal. Danach zwei Wochen surfen. So richtig überlegt habe ich mir das nicht...oder doch? Seit gestern bin ich in Porto und habe heute einen anstrengenden Tag hinter mir. Ich merke deutlich, das meine körperlichen Konditionen immer weiter zurück gehen. Bereits um 13 Uhr bin ich, trotz das ich ausgeschlafen habe, total müde. Der Ultraschall am Montag bestätigte mir nur endgültig, dass ich einen Sohn erwarte. Das zwischen den Beinchen war definitiv kein Finger. Die 3D Bilder waren unglaublich. Eine wundervolle kleine Stubsnase und die Finger zum Surfergruß geformt. Als wollte er mir sagen "Los Mutti, gehts,as zwischen den Beinchen war definitiv kein Finger. Die 3D Bilder waren unglaublich. Eine wundervolle kleine Stubsnase und die Finger zum Surfergruß geformt. Als wollte er mir sagen "Los Mutti, ab nach Portugal mit uns!"  






Ich bin wieder hier, in meinem Revier...

Der erste Beitrag nach meinem Urlaub. Wie ich weiß und bereits gehört habe, warten einige schon sehnsüchtig darauf. Es gibt so viel zu berichten aber irgendwie fehlte mir die Schreiblust und vermutlich auch ein wenig Inspiration. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Zumal ich auch endlich die neue Rubrik eröffnen kann. Aber alles nach einander. Bevor ich über meine Reise durch Portugal berichten kann, muss ich noch eine Sache loswerden. Das Thema der neuen Rubrik. *Trommelwirbel* Also, für alle die es bisher noch nicht wussten oder gesehen haben: Ich werde Mutti. Sogar schon in wenigen Wochen. Die Zeit rast aber ich habe natürlich die letzten Monate alles festgehalten und notiert. Mein Sohn wird bereits Ende des Jahres auf die Welt kommen und mein Leben um 180 Grad drehen. Ich dachte mir, diese kleine aber feine Veränderung sollte ich mit euch teilen, bevor ich von meiner Reise berichte. Schließlich war dies ja auch auf Grund des wachsenden Bauches ab und zu eine größere Herausforderung als geplant. 

Ich werde zu erst den Beitrag zur Rubrik "Unplanned" online stellen und mich am Wochenende weiter mit meinem Beitrag zu meinem Abenteuer Portugal widmen. Viel Spaß beim lesen und...danke das es euch gibt! Die 9.000 war schon lange geknackt als ich nach meinem Urlaub mal wieder selbst auf den Blog schaute. Ihr seid irre!!! :)

Freitag, 11. August 2017

Update 9 - Abenteuer Portugal

Welch ein Tag! Ich hatte selten so viel Angst bei einer Busfahrt wie dieser. Von Porto nach Aveiro. Der Busfahrer...ein Traum jeden Fahrlehrers! Kurz die Frau anrufen, dass er gerade auf dem Weg nach Aveiro ist? Bei WhatsApp fix das Statusbild ändern während man bei 120 km/h einen LKW überholt? Durchgehend linke Spur fahren? 3 cm vor der Stoßstange des voraus fahrenden Autos zum anhalten kommen? Den Leuten in der ersten Reihe hinter sich (u. a. auch mir - gehört wohl zum "erste Reihe" Bonus dazu) Bonbons anbieten? Alles easy....schließlich sind wir hier in Portugal und er fährt tagtäglich Bus! Und während ich diesen Text in mein Notizbuch kritzel, höre ich aus den hinteren Reihen ein eindeutiges Würgen. Da hat sich doch tatsächlich jemand bei diesem wunderbaren und sicherem Fahrstil jemand übergeben müssen! Unglaublich!

Genug davon, hier das neue und frisch geschnittene Video! Viel Spaß und Hände ans Lenkrad!!!



Donnerstag, 10. August 2017

Update 8 - Abenteuer Portugal

Da bin ich nun, in Portugal. Lang geplant und nun endlich hier. Manch einer kann sicher die neuen Beiträge kaum erwarten. Allerdings kann ich mich trotz IPad und passender Tastatur nicht an die genwohnte Form halten. Deswegen habe ich mir eine Alternative überlegt. Ich schreibe alles auf und am Ende meines Urlaubes kommen die Beiträge. Währenddessen halte ich euch per Video auf dem Laufenden. Und deswegen...hier der Link zum ersten Video! Viel Spaß! 


Freitag, 4. August 2017

Update 7 - Abenteuer Portugal

Die Zeit vergeht wie im Flug. Die Vorbereitunge laufen auf Hochtouren. Reiseapotheke, Kosmetik und die ein oder andere Busverbindung innerhalb von Portugal ist gebucht. Langsam kommt das Bewusstsein, dass es tatsächlich gleich los geht. Monate bereitet man alles vor, plant, informiert, organisiert und bucht gefühlt hundertmal jegliche Hostels und AirBnB´s um und dann heißt es doch wie aus dem Nichts "Wenn dein Flug 06:10 Uhr geht, sollten wir spätestens 04:30 Uhr bei mir los fahren." Da wird einem wieder mal bewusst, wie die Zeit rennt.

READY FOR TAKE OFF



Ich bin mir sicher, irgendwas werde ich vergessen. Definitiv. Sonst wäre ich nicht ich. Im Gegensatz zu all meinen anderen Reisen, stelle ich fest, dass ich extrem darauf achte, was ich einpacke und wie viel es wiegt. Selbst beim Shampoo nehme ich lieber das, was weniger wiegt. Schließlich werde ich den ganzen Mist selbst tragen und bei einem Gewicht über 20 Kilo Gepäck in den Bussen zuzahlen müssen. Verschenktes Geld, das man lieber in Eis und Schuhe investieren kann. 

Eigentlich wollte ich die Welt retten. Aber es regnet.


Das Wetter hier in Deutschland ließ die letzten Wochen fast kaum Urlaubsstimmung aufkommen. Die Sommerferien sind so gut wie vorbei und es regnete und regnete und regnete. Aber der kleine Herbst hat sich nun doch von Frau Holle im Sommerparadies abholen lassen. Mein Trost: meine letzten Tage auf Arbeit für sage und schreibe über 4 Wochen habe ich geschafft und die Tage bis zum Abflug waren hoch sommerlich. Fast schon zu heiß. Aber das ist nun wieder jammern auf höchsten Niveau. 

Perfekt aussehen muss man nur, wenn man sonst nichts kann.


Zur Feier meines Urlaubes ging es nochmal zu meinem eigentlich gern besuchten Afterwork. Letztes Jahr war ich fast jeden Donnerstag dort und fand es einfach wunderbar. Die Lage, die Leute und die Atmosphäre. Diesmal war es einfach nur fürchterlich. Ich weiß nicht, was sich in dem Jahr verändert hat. Die Leute oder ich? Sehen und gesehen werden. Okay, das war letztes Jahr schon so. Es ist immer so. Aber fällt mir erst dieses Jahr diese Oberflächlichkeit so auf? Puh, ich fand es füüürchterlich. Blicke, die einen treffen und sagen "Sag mir Hallo, ich bin Mrs. Wichtig. Mich ignoriert man nicht!" oder "Oh man, in diesem Outfit traust du dich hier her? Fast ungeschminkt?! Herje..." oder "Hallo, freut mich dich kennen zu lernen!" und man aber genau weiß, derjenige freut sich weder mich kennen zu lernen, geschweige denn ist das Lachen ehrlich gemeint.

She distanced herself, to save herself.


Man, ich bin echt ein wenig froh, DAS für 26 Tage gegen Menschen einzutauschen, die wildfremd sind aber einem mit einer Herzlichkeit begegenen, die man sich oft von seinen eigenen Mitmenschen wünscht. Ganz zu schweigen von der Rücksichtnahme, Freundlichkeit und Gastfreundlichkeit.

Das wird vor meinem Abflug vermutlich der letzte Beitrag sein. Alles andere folgt, wenn ich Lust habe. Ich geh jetzt weiter packen...Adeus :)


Dienstag, 25. Juli 2017

Der hier geht an Euch...

Dieser Beitrag geht an Euch. Er ist für Euch, über euch und vor allem dank Euch.

Ich sitze gerade an meinem Handy und bin sprachlos. Das bin ich selten, da meine große Klappe immer irgendwie einen dummen Spruch aus dem Nichts zaubern kann. Das klappt recht gut, da mein Mund oft schneller redet, als mein Kopf denken kann. Ab und zu sehr lustig, oftmals aber auch unangepasst. Gerade auf Arbeit.


Es kostet nichts, dankbar zu sein, doch es ändert einfach alles.



Egal, ich schweife ab. Zurück zum Beitrag. Zu EUREM Beitrag. Gestern habt allein Ihr aus dem Nichts innerhalb weniger Minuten die 5.000 Marke geknackt. Der Beitrag ist noch keine 24 Stunden online und wir sind schon fast bei der 5.500 angelangt. Gut, Klicks sagen nicht viel aus. Was mich am meisten sprachlos macht, sind eure Reaktionen. Die Nachfragen, wann ein neuer Beitrag online kommt, die Fragen, um was es sich handeln wird, das Mitfiebern und das aller krasseste (es passt gerade nur dieses Wort) eure schriftliche und mündliche Resonanz der letzten Monate. Der Leserkreis ist so unglaublich groß. Von Freunden aus Bremerhaven, Norwegen und alten Schulfreunden bis hin zu Arbeitskollegen. Ich kann es nur schwer glauben. Gerade erreichte mich wieder eine Nachricht. Um euch zu danken, hier mal ein paar Auszüge von einigen Nachrichten:

"Ich finde den Blog Eintrag richtig gut!!! Du bist einfach direkt und sagst das, was du denkst. 100 prozentig!" von Luisa


"Mensch, deine Beiträge sind echt gut. Und es kommt auch an bei den Leuten. Du kannst so gut formulieren. Von wem hast du das nur?" von meiner Mutti


"Ums kurz zu machen: Ich lese deinen Blog von Anfang und lese ihn unfassbar gern. Du hast wirklich eine Gabe deine Gedanken in wundervollen Worten aufs Papier zu bringen und ich freu mich jedes Mal auf den Nächsten, Lisa! Ich finde es großartig!" von Jana


Okay, manche denken jetzt vielleicht "Ja Mutti sagt immer etwas Gutes, das zählt nicht." Aber Mutti, wenn du das hier ließt, weißt du, was es mir bedeutet, wenn du so etwas sagst.

Es wäre zu  viel, jetzt alles aufzulisten. Aber ich danke euch. Ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll. Zumal das alles nur anfing, weil ich meinen Kaffee über mein Notizbuch im Zug auf dem Weg von Bremen nach Hamburg kippte und mir da die glorreiche Idee kam, es doch lieber virtuell festzuhalten.

Der Zufall geht Wege, da kommt die Absicht nicht hin.


Ich werde hier bald eine neue Rubrik eröffnen, ein neues und spannendes Thema. Ich hoffe, ihr werdet auch diese Beiträge gern lesen und mir die Chance geben, euch ab und zu ein Lächeln ins Gesicht zaubern zu können.

In Portugal werde ich nicht jeden Tag die Chance haben, einen Beitrag zu verfassen. Die portugiesischen Tastatur kennt kein Ä, Ö und Ü. Das sieht weder schön aus, noch kann ich dann gewohnt in meiner normalen Geschwindigkeit alles tippen. Außerdem möchte ich auch ein paar Stunden ohne WLAN, Handy und E-Mails verbringen. Aber ich verspreche euch, ich sammle alle Gedanken und Erinnerungen so gut es geht, notiere alles und aller aller aller spätestens am Ende meiner Reise erwartet euch ein ausführlicher Bericht.

Wer jetzt denkt, bis zur Rückkehr wird es still auf dieser Seite, dem nehme ich diese Angst. Ich stecke mitten in den Vorbereitungen und an denen lasse ich euch natürlich Teil haben :)

DANKE DANKE DANKE




Montag, 24. Juli 2017

Update 6 - Abenteuer Portugal

Ich dachte nicht, dass ich jemals wieder so glücklich sein kann. Das ich selbst dazu in der Lage bin, mich selbst glücklich zu machen. Ich dachte immer, ich brauch jemanden an meiner Seite. Aber ich habe gelernt, die harten Zeiten allein zu überstehen und mich allein aus dem tiefsten Loch der Verzweiflung raus zu holen. Aus dem Mädchen, das immer den perfekten Plan und ihre Wochen durchorganisiert hatte, ist eine erwachsene Frau geworden, die gemerkt hat, dass Pläne auch mal nicht funktionieren können, aber man niemals das Ziel ändern darf.

Wer plant, ist nur zu unkreativ zum improvisieren.


Sich ins Unbekannte zu wagen, bringt Spannung in das Leben. Das Herz fängt an, schneller zu schlagen, man wird wieder lebendiger, total lebendig. Grundsätzlich bedeutet Mut, das Bekannte für das Unbekannte aufs Spiel zu setzen, das Vertraute für das Neue, das Bequeme für das (vorerst) Unbequeme. Mut heißt nicht, keine Angst zu haben. Der Mutige geht trotz aller Ängste ins Unbekannte.

Sprich nicht von Ungewissheit, nenne es Staunen.
Sprich nicht von Unsicherheit, nenne es Freiheit.


Ich fliege trotz meiner Ängste nach Portugal. Wer denkt, ich hätte keine Angst, dass mir etwas passiert oder irgendetwas Unerwartetes eintritt, täuscht sich. Gerade da sich so manch Sache in meinem Leben geändert hat. Ich muss noch mehr auf passen, als sowieso schon. Aber die Herausforderung, ganz auf mich gestellt zu sein, macht die ganze Reise gerade so spannend. Es ist nicht das erste Mal, dass ich allein Urlaub mache. Schließlich war ich bereits für knapp zwei Wochen in London. Allerdings wusste ich, wo ich jeden Abend schlafe und wie ich zu meiner Gastfamilie komme. Wenn etwas war, konnte ich Carry und Jo anrufen. Dies wird in Portugal nicht der Fall sein. Ich werde fast jede Nacht in einer anderen Stadt verbringen, jeden Tag mit Rede Expresso (die Flix-Bus-Variante Portugals) über das Land fahren und jeden Tag neue Menschen kennen lernen. Mich sicher dank meines Orientierungssinnes einer Erbse verlaufen und ab und zu denken "Fu**...was mach ich hier eigentlich?!" 

Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man sich lieber an seiner Vorsicht oder an seiner Sehnsucht orientieren möchte.


Oh und wie ich Angst habe! Es gibt schließlich nicht nur nette Menschen auf der Welt und nicht nur schöne Hostels in Portugal. Aber diese Ungewissheit macht es vermutlich gerade aus. Und mal ganz ehrlich: wenn ich hier zwei Wochen durch Deutschland reisen würde, heißt das nicht automatisch, dass mir hier nichts passiert! Oder? Ich bin so gut vorbereitet, wie noch vor keiner anderen Reise. Ich weiß, wo im Notfall die Deutsche Botschaft ist (oder zumindest die Zweigstelle wie z. B. in Porto), wo ich deutsche Ärzte finde, wo ich mich in sonstigen Notfällen hinwenden kann. Ich habe ein Ersatz Handy dabei, meine persönlichen Unterlagen zweimal kopiert und jegliche Auslandsversicherungen abgeschlossen. Zudem habe ich klare Anweisungen von meinen Mitmenschen, mich mindestens einmal am Tag zu melden. Vielleicht erledige ich dies gleich über eine Whats-App-Gruppe...die moderne Technik ist ein Wunderwerk...eine Nachricht verfassen und mit einmal an 10 Leute an den unterschiedlichsten Orten der Welt verschicken. Anmeldungen zum täglichen "Lisa-geht-es-gut"-Update bitte an meine bekannte Telefonnummer :D

GIRLPOWER


Bis es los geht, habe ich noch einiges zu organisieren. Mir fehlen, trotz meines überfüllten Schuhschrankes, noch ein paar Sandalen (Städtetour in Nikes...naja herzlichen Glückwunsch Hostel-Zimmer-Mitbewohner!) ein paar passende Klamotten und das ein oder andere für die Notfallapotheke. Zudem muss ich mich dringend mal mit dem Thema Go-Pro und ICloud auseinander setzen. Nicht, dass ich in den Urlaub fliege und keine Ahnung habe, wie ich die schönen Momente alle fest halten kann.

Der Blick auf den Kalender bei mir auf Arbeit bereitet mir immer mehr Freude. Bald hat das Warten ein Ende und wie schon oben geschrieben, mein Herz fängt jeden Tag an, schneller zu schlagen. Vielleicht auch, weil ich weiß, das es vorerst die letzte Reise in diesem Stil sein wird. Aber das Schöne ist...ich weiß auch, das die neue Reise, die auf mich wartet, genau so spannend, herzberührend und lehrreich wird, wie all meine anderen davor. Und wenn ich ganz ehrlich bin...ich kann es kaum erwarten! :)

It will be my greatest adventure.


Und jetzt lasst uns die 5.000 Marke noch vorm Start meiner Reise knacken!